In ihrem Essay »Astrobodies and Ecobodies: Emergent Subjectivities in Marcos Prado’s Estamira« untersucht Schwab die neuen Formen von Subjektivität, die in den Zonen der Verwahrlosung der globalisierten Welt entstehen und gerade in ihnen ein besonderes Widerstandspotenzial entwickeln. Marcos Prados preisgekrönter Dokumentarfilm »Estamira« erzählt die Geschichte der 62-jährigen, an Schizophrenie leidenden Estamira, die nach ihrer Entscheidung, die Psychiatrie zu verlassen, als Müllsammlerin in Jardim Gramacho, der größten Müllhalde der Welt, arbeitet. Schwab zufolge entwickelt Estamira in ihrer Schizophrenie eine animistische Kosmologie, die zugleich eine Reflexion über die Welt und ihre ökologische Zerstörung ist. Der Essay beschreibt Jardim Gramacho als eine Ausnahmezone, die in der Folge neoliberaler sozioökonomischer Formationen entstanden ist und materiell wie metaphorisch von einer Ökonomie des Abfalls zeugt. In diesem Sinne ist Estamiras Schizophrenie ein Symptom der historischen und politischen Bedingungen unserer Zeit, eine Form des Wahnsinns, die dem globalisierten Zeitalter eigen ist. Insofern aber Estamiras schizophrener Diskurs eine animistische Kosmologie entwickelt, in der eine andere Form des Zusammenlebens von Mensch und Umwelt möglich wird, weist er über die Form des Symptoms hinaus. Schwab argumentiert, dass Estamiras mythisch-poetischer Diskurs in enger Verbindung zum Aufkommen einer neuen Episteme steht, die in animistischen Formen Beziehungen zwischen Menschen und nichtmenschlichen Wesen denkt. So lässt sich Estamiras Diskurs als ein kritisches Eingreifen in die Geschichte der Globalisierung und deren soziale, ökonomische und ökologische Folgen begreifen.