In seinem Essay »Biometry and Antibodies. Modernizing Animation/Animating Modernity« versteht Edwin Carels Animation nicht nur als visuelle Sprache, sondern als kognitives Prinzip. Damit stellt er seine Analyse in den Kontext der sozialen Bedingungen einer industriellen Gesellschaft, die mit ihren Technologien zur Rationalisierung der Zeit und zur Steigerung der Produktivität nicht nur die technischen Voraussetzungen für den Animationsfilm schuf, sondern zugleich einen spezifisch modernen Erfahrungsmodus produzierte, in dem das Begehren nach (Re)animation gründet. Carels Analysen von Walt Disneys frühen Filmen, Len Lyes Verschmelzung von »Stammeskunst« und Bauhausästhetik, Émile Cohls proto-dadaistischen Werken und Max Ernsts surrealistischen Versuchen eines Bruchs mit konventionellen Zeitregimes führen ins Zentrum jener Ambivalenz, die den Animationsfilm charakterisiert: Historisch wie technisch Produkt von und Mittel für Rationalisierung und Regulierung, stellt er zugleich das Angebot einer Deregulierung der Sinne und Revolte gegen industrielle Zeitreimes dar, wie sie ihren Höhepunkt im Taylorismus fanden.