Nutzerkonto

Edwin Carels: Biometrie und Antikörper
Biometrie und Antikörper
(S. 225 – 241)

Modernisierung der Animation – Animation der Moderne

Edwin Carels

Biometrie und Antikörper
Modernisierung der Animation – Animation der Moderne

Übersetzt von Christina Gauglitz

PDF, 17 Seiten

In seinem Essay »Biometry and Antibodies. Modernizing Animation/Animating Modernity« versteht Edwin Carels Animation nicht nur als visuelle Sprache, sondern als kognitives Prinzip. Damit stellt er seine Analyse in den Kontext der sozialen Bedingungen einer industriellen Gesellschaft, die mit ihren Technologien zur Rationalisierung der Zeit und zur Steigerung der Produktivität nicht nur die technischen Voraussetzungen für den Animationsfilm schuf, sondern zugleich einen spezifisch modernen Erfahrungsmodus produzierte, in dem das Begehren nach (Re)animation gründet. Carels Analysen von Walt Disneys frühen Filmen, Len Lyes Verschmelzung von »Stammeskunst« und Bauhausästhetik, Émile Cohls proto-dadaistischen Werken und Max Ernsts surrealistischen Versuchen eines Bruchs mit konventionellen Zeitregimes führen ins Zentrum jener Ambivalenz, die den Animationsfilm charakterisiert: Historisch wie technisch Produkt von und Mittel für Rationalisierung und Regulierung, stellt er zugleich das Angebot einer Deregulierung der Sinne und Revolte gegen industrielle Zeitreimes dar, wie sie ihren Höhepunkt im Taylorismus fanden.

  • Anthropologie
  • Diskursgeschichte
  • materialist turn
  • Religion
  • Kulturtransfer
  • Moderne
  • Spiritismus
  • Ethnologie
  • Theoriebildung
  • Ritual

Meine Sprache
Deutsch

Aktuell ausgewählte Inhalte
Deutsch, Englisch, Französisch

Edwin Carels

forscht und lehrt an der University for the Arts KASK in Gent, Belgien mit Schwerpunkt auf Medien-Archäologie, Bildender Kunst, Film und Animation.

Weitere Texte von Edwin Carels bei DIAPHANES
Irene Albers (Hg.), Anselm Franke (Hg.): Animismus (alte Auflage)

Der »Animismus« ist eine Erfindung der Ethnologie des 19. Jahrhunderts, geprägt auf dem Höhepunkt des europäischen Kolonialismus. Animisten bevölkern die unbelebte Natur mit Seelen und Geistern. Das erklärt man als eine die materielle Realität verkennende »Projektion«, durch die den Dingen und der Natur Leben und Handlungsmacht zugeschrieben wird. Animismus wird so zum Gegenbild moderner Wissenschaft, zum Ausdruck eines »Naturzustands«, in dem Psyche und Natur als ungeschieden gelten. Wenn sich letzthin ein neues Interesse am Animismus herausgebildet hat, liegt das nicht daran, dass der Begriff als wissenschaftliche Kategorie rehabilitiert wurde. Vielmehr ist die kategorische Trennung von subjektiver und objektiver Welt selbst in Bewegung geraten. Der Band versammelt zentrale Texte dieser Debatte, die hier erstmals einer deutschsprachigen Leserschaft zugänglich gemacht werden.