Nutzerkonto

Irene Albers: Was wollen die Worte?
Was wollen die Worte?
(S. 243 – 261)

Raymond Roussel und der Animismus in der Poetik der Moderne

Irene Albers

Was wollen die Worte?
Raymond Roussel und der Animismus in der Poetik der Moderne

PDF, 19 Seiten

In ihrem Beitrag unternimmt Irene Albers den Versuch, eine »animistische Poetik« der Moderne zu rekonstruieren. Diese ist nicht nur dort anzutreffen, wohin die Moderne das animistische Denken verbannt hatte, in der Literatur der Phantastik, sondern dort, wo die Moderne sich selbst für besonders modern hält, im Konzept der »eigenmächtigen« Sprache: In dem Maß, in dem die Sprache in der Moderne autonom werden soll, sich vom Subjekt emanzipiert, wird sie selbst als Subjekt verstanden. In der Relektüre klassischer Positionen einer solchen Poetik u. a. bei Roussel und Mallarmé zeigt sich die Verbindung zu dem, was Edward Tylor »Animismus« genannt hat. Während gleichzeitig die Auffassung, dass Dinge, Pflanzen und Tiere »beseelt« sind, als Fehlinterpretation der Wirklichkeit entwertet wird, werden Worte als lebendig gedacht, zu Akteuren aufgewertet. In Leiris’ paralleler Analyse der Werke Roussels und der Geheimsprache der westafrikanischen Dogon wird dieser Zusammenhang im Sinn einer »symmetrischen« Poetik nachvollziehbar.

  • Spiritismus
  • Ritual
  • Moderne
  • Ethnologie
  • Theoriebildung
  • Religion
  • Diskursgeschichte
  • Anthropologie
  • materialist turn
  • Kulturtransfer

Meine Sprache
Deutsch

Aktuell ausgewählte Inhalte
Deutsch, Englisch, Französisch

Irene Albers

Irene Albers

ist Professorin für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und für Romanische Philologie an der Freien Universität Berlin und Mitglied des Exzellenzclusters »Languages of Emotion«. Ihre Dissertation behandelt die Beziehungen zwischen Literatur und Photographie (»Sehen und Wissen. Das Photographische bei Emile Zola«, München 2002). Weitere Forschungsschwerpunkte sind literarischer Primitivismus im 20. Jahrhundert; Literatur und Ethnologie bei Michel Leiris; Körpersprache und Emotionen in romanischen Novellen.

Weitere Texte von Irene Albers bei DIAPHANES
Irene Albers (Hg.), Anselm Franke (Hg.): Animismus (alte Auflage)

Der »Animismus« ist eine Erfindung der Ethnologie des 19. Jahrhunderts, geprägt auf dem Höhepunkt des europäischen Kolonialismus. Animisten bevölkern die unbelebte Natur mit Seelen und Geistern. Das erklärt man als eine die materielle Realität verkennende »Projektion«, durch die den Dingen und der Natur Leben und Handlungsmacht zugeschrieben wird. Animismus wird so zum Gegenbild moderner Wissenschaft, zum Ausdruck eines »Naturzustands«, in dem Psyche und Natur als ungeschieden gelten. Wenn sich letzthin ein neues Interesse am Animismus herausgebildet hat, liegt das nicht daran, dass der Begriff als wissenschaftliche Kategorie rehabilitiert wurde. Vielmehr ist die kategorische Trennung von subjektiver und objektiver Welt selbst in Bewegung geraten. Der Band versammelt zentrale Texte dieser Debatte, die hier erstmals einer deutschsprachigen Leserschaft zugänglich gemacht werden.