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EINHUNDERTTAUSEND WÖRTER SUCHEN EINEN AUTOR

Am 22. Februar 1969, in Reaktion auf Roland Barthes Diktum vom »Tod des Autors«, warf Michel Foucault in seinem Vortrag »Was ist ein Autor?« am Collège de France die Frage nach zukünftigen Orten auf, an denen Fiktion nicht mehr durch den Namen und die Figur des Autors reguliert wird. 50 Jahre später und angesichts sich rasant verändernder Schrift­kulturen wagt DIAPHANES ein Experiment: 100 Autorinnen und Autoren unterschiedlichster Sprache und Herkunft sind eingeladen, einen literarischen Text in der Ich-Form unter der ebenso beliebigen wie strikten Beschränkung auf exakt 1000 Wörter zu verfassen.


Je eigener eine Dichtung, je allgemeiner ihre Individualität, desto zwingender ihre Enteignung durch und für die Literatur. Dies forcierend, werden die Texte von den Namen ihrer Autoren entkoppelt, jeder Text in mindestens eine weitere Sprache übersetzt, ohne dass Original und Übersetzung als solche kenntlich gemacht würden. Von der Autorfunktion befreit korrespondierende Erzählungen eröffnen einen unerforschten Resonanzraum, einen radikal gegenwärtigen Ort für zukünftige Leser.

 

 

 

 

 

EINHUNDERTTAUSEND WÖRTER SUCHEN EINEN AUTOR ist Teil des Projekts AUTHENTIZITÄT UND FEEDBACK, das Formen zukünftiger Autorschaft diskutiert, neue Existenzweisen des Literarischen erprobt und vom 21.–23.11. in einem Festival im Espace DIAPHANES in Berlin münden wird. Die Texte werden zur Veranstaltung präsentiert und bilden eine Sonderausgabe des Print- und Online-Magazins DIAPHANES.

 


»Dichtung muss von allen gemacht werden, nicht nur von einem.«