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Gloria Meynen: Die Insel als Kulturtechnik
Die Insel als Kulturtechnik
(S. 79 – 91)

Gloria Meynen

Die Insel als Kulturtechnik
Ein Entwurf

PDF, 13 Seiten

Der Beitrag nimmt zwei verschiedene Weisen, die Welt zu entwerfen in den Blick: Die Medien und Praktiken der Abstraktion und Generalisierung untersucht er als Kulturtechniken des Plurals und setzt sie von einem Detailblick, den Kulturtechniken des Singular, ab. Was kann man sehen, wenn ein Ding dem anderen gleicht? Was fällt in den Blick, wenn jedes Ding nur einmal auf der Welt zu existieren scheint? Wie kann man sprechen, wenn jeder Gegenstand auf einer einsamen Insel wohnt? Zwischen Universalsprache und Privatsprache verläuft eine Grenze, die dieser Beitrag an paradigmatischen Beispielen skizziert. Er diskutiert mit einem mikroskopischen Blick auf die Medien des Entwerfens, wie unter verschiedenen historischen Bedingungen aus den Fluten der Gleichförmigkeit das Interesse an der Abweichung, dem Fehler und dem Neuen auftaucht.
  • Entwurfsprozesse
  • Singularität
  • Insel
  • Kulturtechniken
  • Abstraktion

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Deutsch

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Gloria Meynen

ist Kultur- und Medienwissenschaftlerin. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Nationalen Forschungsschwerpunkt »Macht und Bedeutung der Bilder« der Universität Basel und Dozentin an der Zürcher Hochschule der Künste. Sie forscht zu »Falschen Bildern«, schreibt über die Rückseite des Mondes und arbeitet an einer Kultur- und Mediengeschichte des Singulars.

Weitere Texte von Gloria Meynen bei DIAPHANES
Gesellschaft für Medienwissenschaft (Hg.): Zeitschrift für Medienwissenschaft 2

Nachdem Medienwissenschaft ihre periphere, parasitäre und produktive Position zu anderen Disziplinen der Geistes- und Kulturwissenschaften zunächst dadurch markierte, dass sie die Materialität der Medien als Aufschreibesysteme, Träger und Transformatoren in den Blick rückte, differenzierten neuere Ansätze das Modell eines »Dazwischen«, eines selbst nicht wahrnehmbaren Diaphanen aus. In der Genealogie der Trancemedien wiederum wurde das Immaterielle einer Funktion oder eines Kräfteverhältnisses in den Blick genommen, das Wahrnehmungseffekte im Verhältnis zu Medieneffekten untersucht, wobei genau die Kluft zwischen beiden konstitutiv für mediale Theorie wäre.

Materialität und Immaterialität des Medialen sind in den Texten des vorliegenden zweiten Heftes der Zeitschrift für Medienwissenschaft keineswegs als Opposition begriffen, sondern als Verhältnis, das Wahrnehmungen generiert – und Wahrnehmungen, die aus der Perspektive von Mediengeschichten wiederum Wissensformationen in Frage stellen. In den Differenzfunktionen von Physis | Psyche, Transzendenz | Immanenz, Präsenz | Absenz, Sinn | Sinnlichkeit, Medium | Form oder einfacher, wie es Aristoteles für die Seele vorschlägt: Schlaf | Wachen, ist es der Schnitt selbst, ein epistemologisches Unding, von dem her sich ein Anfang medientheoretischen Denkens, medialer Historiografie und auch eine Politik und Poetologie der Massenmedien rekonstruieren lässt. Doch mit dem Vergnügen, dass etwas funktioniert, sich überträgt, klappt, geht immer auch die Erfahrung einher, dass etwas unter historischen Dispositiven zusammenklappt.

Die Texte dieses Schwerpunktheftes setzen sich mit jeweils spezifischen Kulturtechniken als medialen Praktiken auseinander: Schreiben als écriture, Klangerzeugung als Schallanalyse, Filmmontage als Erinnerungssynthese, Fernsehen als Sozialisierungswahn, Verstehen als Übertragen und zuletzt: Entwerfen als Singularisierungsverfahren. Die AutorInnen der Texte widmen sich den Dingen, »denen die Anstrengungen des Wissens« (Rheinberger) gilt, und zeigen, als was ihnen zuvor die Anstrengung der Wahrnehmung gelten muss: als Wahrnehmung jenseits symbolischer Matrizen.

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