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Marie-Luise Angerer: Am Anfang war die Technik
Am Anfang war die Technik
(S. 177 – 181)

Marie-Luise Angerer

Am Anfang war die Technik
Zu Bernard Stieglers zeit-technischer Verspätung des Menschen

PDF, 5 Seiten

Bernard Stiegler, Die Logik der Sorge. Verlust der Aufklärung durch Technik und Medien, Frankfurt / M. (Suhrkamp) 2008, übers. v. Susanne Baghestani.

Ders., Von der Biopolitik zur Psychomacht, Frankfurt / M.(Suhrkamp) 2009, übers. v. Susanne Baghestani.

Ders., Technik und Zeit. Der Fehler des Epimetheus, Berlin, Zürich (diaphanes) 2009, übers. v. Gabriele Ricke und Ronald Vouillé.

Ders., Denken bis an die Grenzen der Maschine, hg. und mit einem Vorwort von Erich Hörl, Berlin, Zürich (diaphanes) 2009, übers. v. Ksymena Wojtyczka.

Ders., Hypermaterialität und Psychomacht, hg. und mit einem Vorwort von Erich Hörl, Berlin, Zürich (diaphanes) 2010, übers. v. Ksymena Wojtyczka.

Jacques Derrida, Bernard Stiegler, Echographien. Fernsehgespräche, hg. von Peter Engelmann, Wien (Passagen Verlag) 2006, übers. v. Horst Brühmann.

Erich Hörl (Hg.), Die technologische Bedingung: Beiträge zur Beschreibung der technischen Welt, Berlin (Suhrkamp) 2011.

  • Medienwissenschaft

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Marie-Luise Angerer

Marie-Luise Angerer

übernimmt mit dem Wintersemester 2015 / 2016 den Lehrstuhl für Medientheorie / Medienwissenschaft an der Universität Potsdam. Sie war von 2000 bis 2015 Professorin für Medien- und Kulturwissenschaften an der Kunsthochschule für Medien Köln. Davor lehrte sie als Gastprofessorin in den USA, Kanada, Australien sowie Berlin, Bochum, Budapest, Ljubljana und Zürich. Ihre Forschung konzentriert sich u. a. auf die Emergenz und Implikationen eines Affektdispositivs sowie auf eine kritische Analyse der Entwicklung von Affective Sciences.

Weitere Texte von Marie-Luise Angerer bei DIAPHANES
Gesellschaft für Medienwissenschaft (Hg.): Zeitschrift für Medienwissenschaft 5

Die neuzeitliche Wissenschaft steht im Zeichen der Empirie. Als wissenschaftlich gilt vorzugweise, was Ergebnis von Experiment und Beobachtung ist und sich in mathematischen Größen ausdrücken lässt. Wer, wie in der Regel die Geisteswissenschaften, Theoriebildung nicht an Experimente mit serendipem Ausgang knüpft, gerät entsprechend unter Legitimationsdruck. Die Philosophie reagiert auf diesen Druck beispielsweise, indem sie vielerorts ihre alten Fragen zur Entscheidung an die Neurowissenschaft delegiert.

Die Medienwissenschaft nimmt hier eine in mehrfacher Hinsicht besondere Position ein: Zum einen sind Entstehung und Erfolg der naturwissenschaftlichen Empirie eng an mediale Möglichkeitsbedingungen gebunden. Zum anderen aber erhält die Entstehung der Disziplin oder des Feldes Medienwissenschaft selbst durch eine doppelte Abgrenzung Plausibilität: gegen eine materialitätsvergessene und damit ›zu wenig empirische‹ Geisteswissenschaft ebenso wie gegen eine ›bloß empirische‹ Kommunikationswissenschaft, die an den medialen Voraussetzungen von Kommunikation nicht interessiert ist. Darüber hinaus sind Radio, Film und Fernsehen historisch gesehen ohne das Steuerungswissen von Publikums- und Wirkungsforschung kaum denkbar – wobei nicht zuletzt die Netzwerkeffekte im Web 2.0, die weder prognostizierbar noch retrospektiv modellierbar sind, diesen etablierten Zusammenhang von Massenmedien und sozialwissenschaftlicher Empirie unterlaufen.

Gerade in einer Phase der dynamischen Entwicklung des Faches verdient aus medienwissenschaftlicher Perspektive noch einmal neu gedacht zu werden, was Empirie ist. Zunächst reklamieren unterschiedliche Ansätze der Medienwissenschaft starke, wenn auch spezifische Bezüge zu einer ›klassischen‹ Empirie – man denke an die Rückführung anthropologischer Theoriefiktionen auf technische Apriori oder die Nutzbarmachung der naturwissenschaftlichen Empirie von Neurobiologie und Kognitionspsychologie in medienästhetischen Zusammenhängen. Aber auch zwischen solchen Randpunkten zeichnen sich dynamische methodologische Diskussionen ab: In der New Film History und der Medienarchäologie wird mit akribischen Archivrecherchen und Modellen aus der Ökonomie und Wissenschaftsforschung gearbeitet; die Cultural Studies verfeinern weiterhin ethnographische und diskursanalytische Ansätze zur Analyse kultureller Praktiken und berühren sich dabei mitunter mit Ansätzen wie der Actor-Network-Theory und Theoriemodellen aus der Soziologie.

Der Themenschwerpunkt »Empirie« der Zeitschrift für Medienwissenschaft nimmt diese Spannungsfelder zum Ausgangspunkt, um das Konzept der Empirie historisch, theoretisch und wissenschaftspolitisch neu zu perspektivieren.

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