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Hannes Rickli, Cord Riechelmann: Der Überschuss des Experiments der Wissenschaft in der Kunst
Der Überschuss des Experiments der Wissenschaft in der Kunst
(S. 153 – 161)

Cord Riechelmann, Hannes Rickli

Der Überschuss des Experiments der Wissenschaft in der Kunst
Hannes Rickli im Gespräch mit Cord Riechelman

PDF, 9 Seiten

  • Medienwissenschaft

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Deutsch

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Hannes Rickli

studierte Fotografie und Theorie der Gestaltung und Kunst. Er lehrt als Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste und ist Leiter des Forschungsprojekts Überschuss. Videogramme des Experimentierens am dortigen Institut für Gegenwartskünste (www.ifcar.ch).

Einzel- und Gruppenausstellungen (Auswahl): Videogramme, Helmhaus Zürich, 2009 (E); Aggregat Chemnitz, Galerie Weltecho, Chemnitz, 2008;
Say it isn’t so. Naturwissenschaften im Visier der Kunst, Weserburg, Museum für moderne Kunst, Bremen, 2007 (G).

Weitere Texte von Hannes Rickli bei DIAPHANES

Cord Riechelmann

lebt als freier Autor in Berlin und schreibt für diverse Zeitungen, u.a. für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die Süddeutsche Zeitung, den Merkur, die taz und die Jungle World.

Gesellschaft für Medienwissenschaft (Hg.): Zeitschrift für Medienwissenschaft 5

Die neuzeitliche Wissenschaft steht im Zeichen der Empirie. Als wissenschaftlich gilt vorzugweise, was Ergebnis von Experiment und Beobachtung ist und sich in mathematischen Größen ausdrücken lässt. Wer, wie in der Regel die Geisteswissenschaften, Theoriebildung nicht an Experimente mit serendipem Ausgang knüpft, gerät entsprechend unter Legitimationsdruck. Die Philosophie reagiert auf diesen Druck beispielsweise, indem sie vielerorts ihre alten Fragen zur Entscheidung an die Neurowissenschaft delegiert.

Die Medienwissenschaft nimmt hier eine in mehrfacher Hinsicht besondere Position ein: Zum einen sind Entstehung und Erfolg der naturwissenschaftlichen Empirie eng an mediale Möglichkeitsbedingungen gebunden. Zum anderen aber erhält die Entstehung der Disziplin oder des Feldes Medienwissenschaft selbst durch eine doppelte Abgrenzung Plausibilität: gegen eine materialitätsvergessene und damit ›zu wenig empirische‹ Geisteswissenschaft ebenso wie gegen eine ›bloß empirische‹ Kommunikationswissenschaft, die an den medialen Voraussetzungen von Kommunikation nicht interessiert ist. Darüber hinaus sind Radio, Film und Fernsehen historisch gesehen ohne das Steuerungswissen von Publikums- und Wirkungsforschung kaum denkbar – wobei nicht zuletzt die Netzwerkeffekte im Web 2.0, die weder prognostizierbar noch retrospektiv modellierbar sind, diesen etablierten Zusammenhang von Massenmedien und sozialwissenschaftlicher Empirie unterlaufen.

Gerade in einer Phase der dynamischen Entwicklung des Faches verdient aus medienwissenschaftlicher Perspektive noch einmal neu gedacht zu werden, was Empirie ist. Zunächst reklamieren unterschiedliche Ansätze der Medienwissenschaft starke, wenn auch spezifische Bezüge zu einer ›klassischen‹ Empirie – man denke an die Rückführung anthropologischer Theoriefiktionen auf technische Apriori oder die Nutzbarmachung der naturwissenschaftlichen Empirie von Neurobiologie und Kognitionspsychologie in medienästhetischen Zusammenhängen. Aber auch zwischen solchen Randpunkten zeichnen sich dynamische methodologische Diskussionen ab: In der New Film History und der Medienarchäologie wird mit akribischen Archivrecherchen und Modellen aus der Ökonomie und Wissenschaftsforschung gearbeitet; die Cultural Studies verfeinern weiterhin ethnographische und diskursanalytische Ansätze zur Analyse kultureller Praktiken und berühren sich dabei mitunter mit Ansätzen wie der Actor-Network-Theory und Theoriemodellen aus der Soziologie.

Der Themenschwerpunkt »Empirie« der Zeitschrift für Medienwissenschaft nimmt diese Spannungsfelder zum Ausgangspunkt, um das Konzept der Empirie historisch, theoretisch und wissenschaftspolitisch neu zu perspektivieren.

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