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Barbara Wittmann: Bedeutungsvolle Kritzeleien

Barbara Wittmann

Bedeutungsvolle Kritzeleien
Eine Kultur- und Wissensgeschichte der Kinderzeichnung, 1500–1950

Broschur, 464 Seiten

Erscheint am 10.09.2018

Eine Kulturgeschichte der Kinderzeichnung

Kinder zeichnen schon sehr lange. Und es ist schwer vorstellbar, dass sie es nicht in jeder Kultur getan haben, die den allgemeinen Gebrauch von Ritzinstrumenten oder Stiften und Formen der bildlichen Repräsentation kannte. Dennoch ist die ›Entdeckung‹ der Kinderzeichnung ein genuin modernes Phänomen. Seit dem 16. Jahrhundert ist ein Interesse der professionellen Maler am Phänomen Kinderzeichnung nachweisbar, aber erst in den 1880er Jahren werden die graphischen Versuche der Kinder zum Gegenstand wissenschaftlicher Reflexion. Die »Kunst der Kinder« etablierte sich in der Folge als ein wichtiges Instrument der Entwicklungs- und Intelligenzpsychologie, der Pädagogik und Psychoanalyse. Die Wissenschaften vom Kinde erschlossen das Zeichnen als ein Mittel der Kommunikation, welches Dispositionen, Bedürfnisse und Konflikte dokumentiert, die das Kind selbst (noch) nicht sprachlich artikulieren kann. Mehr noch als das Spiel oder die Phantasie- und Lügengeschichten soll die Kinderzeichnung seither Auskunft geben über Entwicklung, Intelligenz und Raumwahrnehmung, über psychische Veranlagung und psychoanalytische Ätiologie. Das Zeichnen wurde damit als Instrument einer Normalisierung des Kindes in Dienst genommen. Die Experimentalisierung der Kinderzeichnung brachte aber auch ein neues Verständnis der anthropologischen Funktion des Zeichnens hervor, das uns bis heute begleitet: Sie hat den Blick dafür geschärft, dass es sich schon bei der harmlosesten Kritzelei um ein Medium der Subjektwerdung des Kindes handelt, das es ihm ermöglicht und erleichtert ein erkennendes, denkendes und handelndes Subjekt zu werden.

  • Wissenschaftsgeschichte
  • Wissensgeschichte
  • Kindheit
  • Zeichnung

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Deutsch

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Barbara Wittmann

Barbara Wittmann

Barbara Wittmann studierte Kunstgeschichte in Wien und Berlin. Sie habilitierte im Februar 2014 an der Bauhaus-Universität Weimar und war von Dezember 2013 bis September 2016 Professorin für Kunst- und Bildgeschichte der Moderne und Gegenwart an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit Oktober 2016 ist sie Professorin für Kunstgeschichte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u.a. Bildkünste des 18. und 19. Jahrhunderts, Zeichnungs- und Entwurfsforschung sowie Wissens- und Kulturgeschichte der Kinderzeichnung.

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