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Literatur

Juli 1962
Juli 1962

Pierre Guyotat

Unabhängigkeit

West Algerien, Ebene des Cheliff, Juni 1962, zwischen der am 19. März verordneten Feuerpause und dem Referendum über die für den 1. Juli festgesetzte Selbstbestimmung. Eine Kompanie von Gefechtspionieren. Die nördliche Umzäunung der Lagertürme über dem Fluss: Esel, abgeschirrte Maultiere, von aufgegebenen Bauernhöfen entflohene Pferde traben am roten Ufer, trinken das knapp werdende Wasser, das, so geht das Gerücht, die sterblichen Überreste der Opfer flussaufwärts abgehaltener Stand­gerichte fortträgt. Ich bin zweiundzwanzigeinhalb. Zwei Jahre zuvor, im Sommer 1960, während der ersten Tage meiner Einberufung...
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Aktuelle Texte
Es gibt kein absolutes Besonderes.

Rolf Bossart, Milo Rau

Es gibt kein absolutes Besonderes.

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  • Kunsttheorie
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  • Postmoderne
Aktuelle Texte

Stephen Barber

Twenty-four hours in state of unconsciousness

Now the dead will no longer be buried, now this spectral city will become the site for execrations and lamentations, now time itself will disintegrate and void itself, now human bodies will expectorate fury and envision their own transformation or negation, now infinite and untold catastrophes are imminently on their way —ready to cross the bridge over the river Aire and engulf us all — in this winter of discontent, just beginning at this dead-of-night ­instant before midnight, North-Sea ice-particles already crackling in the air and the last summer long-over, the final moment of my seventeenth birthday, so we have to go, the devil is at our heels… And now we’re running at full-tilt through the centre of the city, across the square beneath the Purbeck-marble edifice of the Queen’s ­Hotel, down towards the dark arches under the railway tracks, the illuminated sky shaking, the air fissured with beating cacophony,...

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News + Veranstaltungen

Die dunkle Kammer - Träumen mit Georges Perec und Jürgen Ritte

02.09.2017, 20:00

Buchhandlung Sautter + Lackmann
Admiralitätstraße 71/72
20459 Hamburg
Deutschland

Exhibition: On Series, Scenes and Sequences – FEATURE Yves Netzhammer

16.08.2017 – 03.09.2017

ETH Zürich Graphische Sammlung
Rämistrasse 101
8092 Zürich
Schweiz

Yves Netzhammer: Buchvernissage und Artist’s Talk

22.08.2017, 18:30

ETH Zürich Graphische Sammlung
Rämistrasse 101
8092 Zürich
Schweiz

 

Aktuelle Texte

Diane Williams

Wie wär’s mit einem Stück Schnur?

Ich sagte, »Willst du ein Seil? Deine Ladung ist doch nicht richtig gesichert.«
»Nein«, sagte er, »aber du hast Schnur, oder?«
»Wenn das anfängt zu rutschen…«, sagte ich, »du solltest ein Seil nehmen.«
»War da Giftefeu dran?«, wollte er wissen und ich sagte ihm, mein Seil hätte jahrelang friedlich im Schuppen gelegen.
Er nahm sich ein Stück mit zum Nachttisch. Er machte sich keinen Begriff davon, was Holz aushalten konnte.
»Das Teil muss kaputtgegangen sein, als ich’s am Laster festgezurrt habe«, sagte er.
Und als er dann die Nähmaschine verschob, ließ er die gusseisernen Räder – rums bums auf der Treppe.
Ich war mittlerweile dabei, die Flamingo-Keksdose einzupacken, das Besteck und die Koch­töpfe, hielt aber kurz inne, denn wie oft geschieht es schon, dass man plötzlich etwas tief Empfundenes sieht?
Ich sah unsere Milchkühe in ihrem gemächlichem Defilee auf der Weide und dann das Kalb, wie es die Linie von...

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Ein Kaleidoskop zwischen Traum und Literatur
Ein Kaleidoskop zwischen Traum und Literatur

Georges Perec

Die dunkle Kammer

Die Messung (der Name entfällt mir: Metronom, Rute) bei der man ad.lib. mehrere Stunden bleiben muss. Wie selbstverständlich. Der Schrank (die beiden Verstecke). Die Theateraufführung. Die Demütigung. ? . Die Willkür. Es ist eine Szene mit mehreren Personen. In einer Ecke ist eine Messlatte angebracht. Mir droht, wie ich weiß, dass ich mehrere Stunden darunter zu verbringen habe; es ist eher eine Schikane als eine wirkliche Folter, aber dennoch äußerst unangenehm, denn nichts hält das Messholz in der Höhe fest, und...
  • Psychoanalyse
  • Phantasma
  • Spiel
  • Psyche
  • Begehren
Aktuelle Texte

Georges Perec

Fragmente einer nächtlichen Biographie

Ich hatte jedes Mal das Gefühl, dass ich mit einer zauberhaften Leichtigkeit das einfing, was der eigentliche Stoff des Traums gewesen ist, dieses zugleich verschwommene und hartnäckige, nicht greifbare und unmittelbare Etwas, das sich im Kreise drehte und unbeweglich war, dieses Abgleiten von Räumen, diese mit bloßem Auge erkennbaren Veränderungen, diese unwahrscheinlichen Architekturen. Selbst wenn ich mich durch die gerade wegen ihrer Strenge endgültig pervertierte schriftliche Fixierung für immer vom »Königsweg« ausschloss, den diese Träume hätten sein können, so scheint mir doch, dass ich mich im Mittelpunkt dieser »beunruhigenden Fremdheit« befand, die unsere Bilder der Nacht formt und gestaltet, im Mittelpunkt einer geradezu traumhaften Rhetorik, die mich alle möglichen Träume durcheilen ließ: schneidende Träume, Träume ohne Knochen, Träume, lang wie Romane, angefüllt mit verblüffenden Ereignissen, flüchtige Träume, versteinerte Träume.

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Aktuelle Texte

Joseph Mitchell

»Der beste Reporter, der je für den New Yorker schrieb«

Der umtriebigste aller Calypsosänger ist ein Mann, der sich Wilmoth Houdini nennt. Er hat Trinidad vor ein paar Jahren verlassen und sich als Schmierer auf einem Frachtschiff seine Passage nach New York verdient. Gelegentlich kehrt er zu einem längeren Besuch nach Trinidad zurück, wo er seinen Unterhalt mit Auftritten als »The Calypso King of New York« in den Lichtspielhäusern von Port of Spain bestreitet. Die meiste Zeit lebt er jedoch in einem möblierten Zimmer in der 114th Street West in Harlem, wo es eine große Kolonie von Einwanderern aus Trinidad gibt. In seinem Pass steht der Name Edgar Leon Sinclair, aber in Harlem heißt er nur Mr. Houdini. Zu diesem Namen wurde er durch einen Fortsetzungsfilm über den Zauberer Houdini angeregt, den er 1916 gesehen hat. Er war der erste Calypsosänger, der Schallplatten aufgenommen hat. Von den mehr als eintausend Liedern, die er geschrieben hat, wurden mittlerweile etwa sechshundert auf Schallplatte...

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