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Aktuelle Texte

Jean-Luc Nancy

Des zétrangers des zah des zuh

Fremdartiger extraneus von draußen nicht von drinnen (intraneus) nicht von zu Hause unheimlich nicht von daheim
vor den Toren – fores foreigner nicht im Einklang zu viel odd irregulär nicht normal selten sonderbar seltsam merkwürdig besherat tapfer elegant eigensinnig durchgedreht verschroben falsch frappierend ungewöhnlich erstaunlich

 

Es ist erstaunlich wie reich wir sind an Wörtern Formen Weisen die um das seltsam Fremde des Ausländers kreisen der nicht unser Landsmann ist pas pays avec nous wie man früher in Frankreich sagte c’est un pays à moi für jemanden aus meinem Dorf meiner Gegend meiner Provinz meinem Nest

 

Reich im Übermaß für alles was nicht nah und eigen geeignet passend mitmenschlich ist kein Mitdasein

 

Denn wir nehmen an dass mit avec with stimmig gehaltvoll solide und solidarisch ist und dass das was without avecsans mitohne ist außermittig oder außermitmenschlich

 

Aber »mit« »selbig« »nah« verlangt das Abrücken das Außen

Aktuelle Texte

Mário Gomes

Über literarische Sprengkraft

Kaum etwas setzt schneller Rost an als Kriegsgerät und Literatur. Da nützt weder Pflege noch Wartung, am besten ist es, man lässt das Material einrosten und rüstet derweil am anderen Ende nach, erweitert Bestände, feilt an Technologien und poliert vor allem die Oberflächen auf Hochglanz, bzw. man nimmt den einfachen Weg und lässt eine Glanzschicht auftragen – einen feinen, seidenen Film –, denn so geht das heutzutage: man trägt auf. Dieser chemische Glanz der Panzer und Bücher kommt von der Sprühdose. Er hält allerdings nicht lange, sondern schwindet, sobald das Auge sich abwendet, und das Auge wendet sich schnell ab. Wo der Blick dann aber als nächstes hin eilt, glitzert und funkelt es wieder: bei jeder Militärparade wie bei jeder Buchmesse.

Dieser Glanz ist jedoch bei weitem nicht das einzige, was Krieg und Literatur verbindet. Ihre Verknüpfungen sind vielfältig und verworren. Wo Gewalt aufhört und das Schriftzeichen anfängt, ist selten klar,...

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Issue 10 out soon!
Issue 10 out soon!

DIAPHANES MAGAZINE No. 10

Issue 10 — Punk Philology — edited by Donatien Grau: With contributions by Dodie Bellamy, Simon Critchley, Emanuele Coccia, Dennis Cooper, Cosey Fanni Tutti, Michael Dean, Sina Dell’Anno, Jas’ Elsner, Charlie Engman, Kim Gordon, Donatien Grau, Yannick Haenel, Richard Hell, Michèle Lamy, Paul McCarthy, Eileen Myles, Dan-el Padilla Peralta, David Rimanelli, Ariel Spiegler, James Spooner, Honor Titus, Johanna Went. Cover art by M/M (Paris)
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Kunst
Ist das Drama k.o.? Ist das Theater k.o.?

Alexander García Düttmann

Ist das Drama k.o.? Ist das Theater k.o.?

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Halluzinatorische Kraft, literarische Finesse
Halluzinatorische Kraft, literarische Finesse

Gomes/Thermann

Berge, Quallen

Auf Błaszczykowskis Schreibtisch stand neben übereinandergestapelten Bänden eines Medizinlexikons ein gräulich flackernder Computer­bildschirm. Seit mehreren Minuten versuchte Błaszczykowski, die Stirn in die linke Hand gepresst, seiner Müdigkeit einen Angriffsplan über den Königsflügel abzuringen, doch das Schachbrett zerfloss immer wieder vor den zufallenden Lidern. »Dr. Błaszczykowski!« Eine Frauenstimme riss ihn aus dem Halbschlaf, die Deckenlampen gingen an. »Sie müssen in die Notaufnahme!« In der Tür stand eine Krankenschwester, mit Hüften, die breiter als ihre Schultern waren. »Es ist dringend, Herr Doktor!«...
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Literatur

Maël Renouard

On Memory Atrophy

Externalized memory had always proceeded by contractions, summaries, reductions, selections, breaks in flow, as well as by organization, classification, boiling down. Card catalogues reduced thousands of works to a few key notions; tables of contents contracted the hundreds of pages in a given book. The sign itself was the first abbreviation of experience. An epic stitched of words was an abbreviation of the war, the long years of which were reduced to a few nights of recitation; the written text that recorded the epic was a contraction of the oral narration which pushed aside its sensory richness, melody, life in a thousand details. In accumulating, every level of abbreviation reconstituted an infinite flow, a new dilation that would be contracted in its turn. From the plurality of pages to the index and the table of contents; from the plurality of books to card catalogues.

The abbreviated elements were further arranged, situated...

OPEN
ACCESS
Passion der zielführenden Abschweifung
 Passion der zielführenden Abschweifung

Alexander Kluge, Joseph Vogl

Senkblei der Geschichten

Literatur oder literarische Texte sind in gewisser Weise eine Art Senkblei, das man in die Zeit, in die verschiedenen Schichten der Zeit hält. Jeder Text, jeder literarische Text ist eine Schichtung von Texten, von unterschiedlichen Bedeutungsablagerungen, in denen er, ob er will oder nicht, Bewegungen seiner Zeit für einen Augenblick gefrieren lässt und dadurch zur Besichtigung vorführt oder der Besichtigung preisgibt. Und das ist bei diesem Roman ähnlich. Man könnte sagen, was mit Moby-Dick und mit seinem Jäger, Kapitän Ahab,...
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“Aboard ship! ye philosophers!”
“Aboard ship! ye philosophers!”

Wu Yi

The Sea as Mirror

A genealogy of philosophy in the form of a geology of the diluvial, so to speak. I’ve asked: how does the ocean, as a physical presence, a dynamic relationship, and an unsettling imaginary, challenge and reinvent philosophy as it understands itself to be and defines itself against? The method I’ve hitherto practiced is one simple and well-suited to the purpose: to de-sublimate and re-sublimate the variously over-sublimated layer of sense in philosophy with one’s own being, flesh and blood, and...
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