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Donata Schoeller, Sigridur Thorgeirsdottir: Absprung vom Trittbrett – Verkörperte situierte Nachdenklichkeit
Absprung vom Trittbrett – Verkörperte situierte Nachdenklichkeit
(S. 153 – 166)

Donata Schoeller, Sigridur Thorgeirsdottir

Absprung vom Trittbrett – Verkörperte situierte Nachdenklichkeit

PDF, 14 Seiten

  • Denken
  • Philosophie

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Deutsch

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Donata Schoeller

ist Programdirektorin des internationalen Projekts »Embodied Critical Thinking«. Zudem ist sie Fellow am Max-Weber-Kolleg sowie Gastprofessorin am philosophischen Institut der Universität von Island und an der Universität von Koblenz. Unter ihren neueren Publikationen sind Close Talking. Erleben zur Sprache bringen, Berlin, De Gruyter 2019 und Saying What We Mean, Chicago, Northwestern University Press, 2017.
Weitere Texte von Donata Schoeller bei DIAPHANES
  • Vorwort

    In: Christine Abbt (Hg.), Donata Schoeller (Hg.), Hartmut von Sass (Hg.), Nachdenklichkeit

Sigridur Thorgeirsdottir

ist Professorin für Philosophie an der Universität Island in Reykjavík.
Christine Abbt (Hg.), Donata Schoeller (Hg.), ...: Nachdenklichkeit

Es ist schon ein klassischer Reflex: Erst wenn etwas nicht mehr da ist, wird der Verlust deutlich. So fragt sich auch für die Nachdenklichkeit, was fehlt, wenn sie schwindet. Gerade in politisch-gesellschaftlicher Hinsicht wird dieses Problem greifbar.

 

Auffällig ist, wie sehr die lebensweltliche und intellektuelle Relevanz der Nachdenklichkeit in einem fast traditionellen Missverhältnis zum Nachdenken über die Nachdenklichkeit steht. Darauf reagiert dieser Band, indem folgenden Fragen nachgegangen wird: Zunächst ist der Status des Nachdenklichseins zu klären. Handelt es sich um eine Einstellung, Haltung, einen Wert oder eine Tugend? Hinzu kommen mögliche Abgrenzungen zu weiteren Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Empathie oder Sensibilität, gebunden an die Frage nach den Gründen und Quellen der Nachdenklichkeit im Kontrast zu ihrem Mangel oder Verlust. Dies führt zur Fragen, inwiefern lediglich das (Nach-)Denken angesprochen ist und nicht zugleich das Fühlen und Empfinden. Entsprechend sind auch Formen der Verkörperungen von Nachdenklichkeit zu bedenken.

 

So sehr nachdenklich zu sein, wünschenswert ist, bleibt dieser Wunsch an Kontexte gebunden. Auch die Grenzen, ja das gleichsam Unangemessene der Nachdenklichkeit muss schliesslich ebenso zum Thema werden: Kann nachdenklich sein, wer vollkommen gelöst und ganz in einer Situation aufgeht? Muss nicht das Zögern des Nachdenklichen end­lich der Entschiedenheit des Handelns weichen?