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Philipp Felsch: Aufsteigesysteme 1800–1900
Aufsteigesysteme 1800–1900
(S. 15 – 32)

Philipp Felsch

Aufsteigesysteme 1800–1900

PDF, 18 Seiten

Um eine spezifische Art der Verarbeitung von Landschaftserlebnissen geht es Philipp Felsch. Ende des 19. Jahrhunderts verließen viele Experimentalphysiologen ihre urbanen Arbeitsplätze, verwandelten das Gebirge in eine Laborlandschaft und stellten dort ihre physiologischen Fragen nach dem Verhältnis von Kraft und Erschöpfung, Nerven und Umweltreizen oder Nahrung und Arbeitsleistung. Hatten die frühen Alpinisten ihre Eindrücke und Erlebnisse poetisch zu bewältigen versucht und dem Genre der Landschaftsmalerei pittoreske Gebirgsbilder beigefügt, so schufen die Physiologen mit Bleistift und Papier eine eigene Kategorie von Schriftzeichen – zittrige Kurven, ungenaue Zahlenkolonnen und krakelige Notizen, in denen der Anspruch auf Genauigkeit der Messung mit der psychophysischen Realität der Extrembedingungen eine epistemologisch stimulierende Mélange bildete.

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Philipp Felsch

ist ein deutscher Kulturwissenschaftler und Historiker. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Wissenschaftsgeschichte der Alpen und die Geschichte der Kartografie des 19. Jahrhunderts. Bis 2011 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Wissenschaftsforschung der ETH Zürich, ab 2011 ist er Juniorprofessor für Geschichte der Humanwissenschaften am institut für Kulturwissenschaften der Huboldt-Universität zu Berlin.

Weitere Texte von Philipp Felsch bei DIAPHANES
David Gugerli (Hg.), Michael Hagner (Hg.), ...: Nach Feierabend 2005

Grundlegende Bedingung jeder Beschäftigung mit den Wissenssystemen der Gegenwart ist die Auseinandersetzung mit dem Begriff und der Geschichte des Wissens. In diesem allgemeinen Sinne verstanden, umfasst »Wissen« nicht nur das in den Wissenschaften und der Technik erzeugte, von Experten gehortete und nur an Eingeweihte weitergereichte Wissen. Es gibt auch ein alltägliches Orientierungswissen, ein implizites Handlungswissen, ein Wissen, das ästhetischer, religiöser oder krisenhafter Lebenserfahrung entspringt. Dass die Selbstverständlichkeit dieses Pluralismus des Wissens hervorgehoben werden muss, liegt an der Priorität, die das gegenwärtige Forschungs- und Bildungssystem dem wissenschaftlichen Wissen zukommen lässt. Und dies, obwohl die technisch-wissenschaftlichen Krisenerfahrungen der Vergangenheit die begrenzte Reichweite wissenschaftlicher Expertise vorgeführt haben.

Im ersten Thementeil »Bilder der Natur – Sprachen der Technik« sind Aufsätze versammelt, die vom Medium »Panorama«, den Kurven der Physiologie, den Zeichnungen des Ingenieurs und den Symbolsystemen der Mathematik ausgehend einige Versuche problematisieren, lebensweltliche Erfahrungen, Bilder und Vorstellungen von Natur zu erfassen. Neben einem auf Deutsch bislang unveröffentlichten Interview mit Michel Foucault bieten die weiteren Rubriken Essays von Historikern und Philosophen, die zeigen, welche überraschenden Perspektiven auf die Wissensgesellschaft kulturwissenschaftliche Fragestellungen ermöglichen.