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J.G. Ballard: Millennium People

J.G. Ballard

Millennium People

Broschur, 352 Seiten

Erscheint am 11.12.2017

Ein zeitgenössisches Herz der Finsternis

Nachdem seine Ex-Frau bei einem Bombenanschlag am Flughafen ­Heathrow getötet wurde, begibt sich der Psychologe David Markham auf die Suche nach den wahren Motiven in ein zeitgenössisches Herz der Finsternis: Chelsea Marina – eine abgegrenzte Mittelklassesiedlung in London, deren Bewohner, angeführt von einem enigmatischen Kinderarzt und einer exzentrischen Filmdozentin, gegen ihre eigenen Lebensentwürfe rebellieren. Im Visier der verzweifelten Revolte stehen Reisebüros, Einkaufszentren, Katzenausstellungen, Videotheken, Parkuhren, Immobilienbüros, und die für bildungs­bürgerliche Abgrenzung so integralen Museen und Kulturinstitutionen der Stadt. Gelangweilt von ihrem Pflichtprogramm, empört über steigende Kosten und neue Parkverbotszonen führt sich die Mittelklasse dabei selbst ad absurdum und geriert sich als neues Proletariat, eine Revolte gegen die existenzielle Leere anzettelnd, die in ihren vom Konsumismus verödeten Habitaten umso greller scheint.
Im zentralen Roman seiner späten Gegenwarts-Tetralogie kehrt Ballard die unter­schwellige Selbstverachtung einer gesellschaftlichen Generation nach außen. Mit seinen ­charakteristischen, allegorisch überdrehten Paraphrasen entlarvt er, ­auf welch absurde wie perfide Weisen sich Konformität in Nihilismus verkehren kann.

  • Terror
  • Gewalt
  • Revolution
  • London
  • Bourgeoisie

»Ballards Sicht der Welt ist unübertroffen.« John Gray

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Deutsch

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J.G. Ballard

begann als Science-Fiction-Autor in den späten 1950er-Jahren, ging aber schon sehr bald andere Wege, da die Zukunft für ihn nicht im »outer space«, sondern im »inner space« lag. In den 1970ern veröffentlichte er »Crash« (verfilmt von David Cronenberg), »High-Rise« und »Concrete Island«, später »Empire of the Sun« (verfilmt von Stephen Spielberg) und weitere Romane über die Auswirkungen technologischer und architektonischer Entwicklungen auf die Gesellschaft, mit denen er seiner Zeit immer weit voraus war.

»Wir denken, dass wir an Gott glauben, aber sind entsetzt über die Mysterien von Leben und Tod. Wir sind zutiefst auf uns selbst fixiert, aber kommen mit der Vorstellung unseres eigenen endlichen Daseins nicht zu Rande. Wir glauben an Fortschritt und an die Kraft der Vernunft, aber sind von den dunkleren Seiten der menschlichen Natur geplagt. Wir sind besessen von Sex, aber fürchten die sexuelle Fantasie und müssen mittels riesiger Tabus beschützt werden. Wir glauben an Gleichheit, aber hassen die Unterschicht. Wir haben Angst vor unseren Körpern, und, vor allem, haben wir Angst vor dem Tod. Wir sind ein Zufall der Natur, aber wir denken, wir seien das Zentrum des Universums. Wir sind nur ein paar Schritte von der Vergessenheit entfernt, aber wir hoffen, wir seien auf irgendeine Weise unsterblich…«

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