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Bernd Stiegler: Unzeitgemäße Betrachtungen und philosophische Episkopie
Unzeitgemäße Betrachtungen und philosophische Episkopie
(S. 49 – 61)

Philosophie und Geschichte in Michel Foucaults ›parrhesia‹-Vorlesungen

Bernd Stiegler

Unzeitgemäße Betrachtungen und philosophische Episkopie
Philosophie und Geschichte in Michel Foucaults ›parrhesia‹-Vorlesungen

PDF, 13 Seiten

Michel Foucaults parrhesia-Vorlesungen entwerfen höchst unterschiedliche Modelle einer historisch-systematisch-politischen Bezugnahme auf die Gegenwart und erkunden so zugleich mögliche Dimensionen eines begrifflich-theoretischen Resonanzraums der parrhesia. Im Mittelpunkt der Überlegungen steht daher nicht die antike Philosophie und ihre Deutung durch Foucault, sondern die Gegenwart, die »ungleichzeitgemäße« Perspektive der Vorlesungen. Überraschenderweise spielt dabei die Genealogie, die für Foucault immerhin über einen nicht unerheblich langen Zeitraum ein zentrales Modell darstellte, in beiden Vorlesungen keine Rolle. Hingegen erscheinen gänzlich andere Modelle, die der Aufsatz genauer zu fassen sucht: erstens die Selbsthistorisierung, zweitens eine Position jenseits der Begriffsgeschichte bzw. historischen Semantik, drittens die implizite philosophische Kommentierung, viertens das Theorem der Grundlinien und fünftens schließlich jenes des universalen Kerns der Philosophie.

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  • Ethik
  • Platon
  • Subjektivierung
  • Alterität
  • Michel Foucault

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Bernd Stiegler

ist Professor für Neuere deutsche Literatur mit Schwerpunkt 20. Jahrhundert im medialen Kontext an der Universität Konstanz.

Petra Gehring (Hg.), Andreas Gelhard (Hg.): Parrhesia

In seinen letzten Vorlesungen am Collège de France entwickelt Foucault ein Verständnis der parrhesia als Tugend im etymologischen Wortsinn: als Akt der freimütigen Rede, der Mut erfordert, weil er durch seine rückhaltlose Offenheit riskiert, die Zuneigung des Freundes zu verspielen oder den Zorn des Tyrannen auf sich zu ziehen. Was mit Der Wille zum Wissen als Geschichte der Sexualität begann, erweitert sich in den letzten Vorlesungen zu einer weit ausgreifenden Geschichte der Subjektivierungspraktiken, die Akte des Wahrsprechens nicht mehr vorwiegend als Produkte kirchlicher, gerichtlicher oder psychologischer Geständnispraktiken begreift, sondern sie als genuine Manifestationen von Freiheit sichtbar macht.


Der Band bietet eine kritische Auseinandersetzung mit dem von Foucault eröffneten Untersuchungsfeld, das die Frage der parrhesia in ihren philosophischen, philologischen und politischen Dimensionen erschließt. Dabei wird die Frage nach Foucaults spezifischem Verständnis von Subjektivität und Freiheit ebenso behandelt wie seine Verhältnisbestimmung zwischen parrhesia und Rhetorik und seine Ethik der ungeschützten Rede.

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