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Martin Warnke: Kunst als Lebensspiegel
Kunst als Lebensspiegel
(S. 105 – 121)

Martin Warnke

Kunst als Lebensspiegel

PDF, 17 Seiten

Der Beitrag von Martin Warnke greift hinter die Moderne zurück und zeigt die Vorbildhaftigkeit künstlerischen Handelns für die Alltagswelt der frühneuzeitlichen Gesellschaften auf – als historische Fundierung und zugleich als Gegenmodell zu jenem Kunsthandeln im Zeichen moderner Kunstautonomie, dem sich die anderen Beiträge dieses Bandes widmen. Auch ohne eine ausdrückliche Absicht der Künstler, ihre Maximen zur sozialen Norm zu erheben, wirkte frühneuzeitliches künstlerisches Handeln in verschiedene Bereiche nachhaltig hinein: Seine Reflexe zeigen sich in verhaltensregelnden Redensarten wie »Schuster bleib bei deinem Leisten« oder im Entwurf idealer Lebensformen, etwa der sprezzatura, mit der Baldassare Castiglione die vollkommene Grazie des Hofmanns meint und die er mit der malerischen Technik gestischer Faktur als Inbegriff von Leichtigkeit vergleicht.

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Martin Warnke

Martin Warnke

zählt zu den wichtigsten Kunsthistorikern der letzten Jahrzehnte in Deutschland. 1937 in Brasilien geboren, kam er 1953 nach Westdeutschland. Nach seinem Studium in München, Madrid und Berlin war er 1964 mehrere Monate Berichterstatter der Frankfurter Auschwitz-Prozesse für die Stuttgarter Zeitung, danach Volontär an den Berliner Museen. 1970 habilitierte er sich an der Universität Münster mit seiner Forschung über die Organisationsformen der frühneuzeitlichen Hofkunst. Von 1971 bis 1978 war er Professor an der Universität Marburg und lehrte im Anschluss bis zu seiner Emeritierung 2003 an der Universität Hamburg. Im Fokus seiner Forschung stehen die politischen und sozialen Bedingungen von Kunst sowie die politische Wirkung von Bildern. In diesem Kontext arbeitete er den methodischen Ansatz der Politischen Ikonographie aus. Als einer der ersten engagierte sich Warnke für die Wahrnehmung der Forschungen exilierter Kunsthistoriker.

war vor seiner Emeritierung Professor für Kunstgeschichte an der Universität Hamburg.

Karin Gludovatz (Hg.), Michael Lüthy (Hg.), ...: Kunsthandeln

In der Moderne und zunehmend seit den 1960er Jahren verlagert sich in der Kunst die Aufmerksamkeit vom finalen Werk auf den Prozess des Produzierens. Dieser ist nicht ­Mittel zum Zweck, sondern gewinnt, in Analogie zu Aufführungspraktiken, Eigenwertigkeit. Im selben Zuge avanciert der kontemplative Betrachter zum Teilhaber, ja, zum ›Mithandelnden‹ des Kunstwerkes. Auch die Kunst insgesamt wird als prozessual begriffen: als ein gesellschaftlicher Bereich, der unterschiedlichste Akteure involviert und beständigen Begriffs- und Verfahrensänderungen unterliegt.

Aus diesen Prozessualisierungen resultiert ein neuartiges Verhältnis von ›Kunst‹ und ›Handeln‹. Handeln wird zu einem Medium der Kunst, zugleich wird Kunst als Medium des (gesellschaftlichen) Handelns neu bestimmt. Diesen beiden Aspekten des Verhältnisses von ›Kunst‹ und ›Handeln‹ ist dieser Sammelband gewidmet. Sein erster Teil fragt nach dem Status von (Alltags-)Handlungen in der Kunst, sein zweiter nach den Möglichkeiten, Kunst als eine Form des Handelns zu begreifen, das Wirklichkeiten erzeugt oder verändert.