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Iris Schröder: Das Leipziger Kränzchen, die Anthropogeographie und die Kunst
Das Leipziger Kränzchen, die Anthropogeographie und die Kunst
(S. 275 – 290)

Zu Friedrich Ratzels Versuchen, die Erdkunde zu verallgemeinern

Iris Schröder

Das Leipziger Kränzchen, die Anthropogeographie und die Kunst
Zu Friedrich Ratzels Versuchen, die Erdkunde zu verallgemeinern

PDF, 16 Seiten

Am Beispiel von Ratzels einflussreichen Untersuchungen Anthropogeographie und Politische Geographie zeigt Iris Schröder, dass ein solcher Ansatz den größtmöglichen Untersuchungsmaßstab wählt, mit Metaphern und Analogien arbeitet, Gesetze, Zusammenhänge und Regelmäßigkeiten auf allen möglichen Ebenen entdeckt, die gewaltige Dimension der zu lösenden (wissenschaftlichen und politischen) Probleme beschwört und auf die Verantwortung des Wissenschaftlers verweist, sich dieser Probleme anzunehmen. An diesem Punkt, da Wissenschaft sich nicht mehr bloß einem isolierten Detailproblem widmet, wird sie für Ratzel selbst zur Kultur. Folgerichtig unterscheidet sich sein Ansatz vom Positivismus darin, dass (ähnlich wie bei Burckhardt) neben verstandesmäßige Empirie und rationale Durchdringung Intuition, Genuss und Anschauung treten müssen. Mit der Einführung ästhetischer Kategorien wollte Ratzel jedoch nicht bloß der »leblosen Abstraktion« entgegenwirken, zugleich ging es ihm darum, auf der Seite des Betrachters ein Äquivalent zu schaffen für die Erhabenheit und Größe der Natur. Das Allgemeine der Geografie besteht dann darin, eine Synthese zwischen Erkenntnis und Erlebnis herzustellen und gleichzeitig einen geopolitischen Handlungsspielraum zu eröffnen. Die Breite dieses Anspruchs ist nur zu gewinnen, indem das Allgemeine wahlweise oder auch miteinander verflochten als interdisziplinäres, kulturwissenschaftlich-popularisierendes und als ästhetisches Unternehmen in Stellung gebracht wird.

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Iris Schröder

ist wissenschaftliche Assistentin am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin.

Michael Hagner (Hg.), Manfred D. Laubichler (Hg.): Der Hochsitz des Wissens

Der Begriff des Allgemeinen steht gemeinhin für den Gegensatz zum Besonderen, zum Einzelnen oder auch zum Teil(-weisen). Zum Allgemeinen vorzustoßen bedeutet, einen größeren Horizont abzustecken, der die Voraussetzung für weitergehende Erkenntnis bildet, aber auch gewisse Risiken mit sich bringt. In den Wissenschaften wird das Allgemeine erst im 19. Jahrhundert zu einer zentralen epistemischen Ordnungskategorie.

In dem Band geht es um die Wiedereingliederung von konzeptuellen und theoretischen Aspekten in die Wissenschaftsgeschichte nach dem »practical turn«. Das Allgemeine wird als praktisch relevanter Grundwert der Wissenschaften verstanden, mittels dessen Wissen generiert, strukturiert, verändert bzw. überhaupt erst verfügbar gemacht wird. Die Beiträge zeigen, wie das Allgemeine etwa in Biologie, Medizin, theoretischer Physik, Kultur- und Kunstgeschichte sowie der Philosophie zur Geltung gebracht wird. Wollte man diese scheinbare Vielfalt auf einen Nenner bringen, so könnte man vielleicht sagen: Zweifellos steckt der Teufel im Detail, doch zumindest das Versprechen auf höhere Erkenntnis steckt im Allgemeinen.