Nutzerkonto

Lynn K. Nyhart: Kundekunde, oder: Das Allgemeine im Museum
Kundekunde, oder: Das Allgemeine im Museum
(S. 207 – 237)

Lynn K. Nyhart

Kundekunde, oder: Das Allgemeine im Museum

Übersetzt von Michael Hagner und Manfred D. Laubichler

PDF, 31 Seiten

Lynn Nyhart analysiert das Verhältnis von allgemeiner Wissenschaft und »Kunde« und den damit verbundenen Forschungs- und Bildungsauftrag am Beispiel bedeutender Museumsgründungen um 1900. Dabei gab es einen inhärenten Konflikt zwischen der theoretischen Idee des Allgemeinen in den Wissenschaften und den Erfordernissen der Wissensvermittlung und Forschung, den Nyhart am Beispiel von drei ganz unterschiedlichen Museen thematisiert. Das Suffix »-kunde« findet sich kaum zufällig bei solchen Wissenschaften wieder, in denen Museum und Forschung miteinander vereint sind. Beispiele wären die Naturkunde, die Völkerkunde und die Meereskunde. Das in der Kunde etymologisch verborgene Können markierte hier den Unterschied zu einer bloß theoretischen Ausrichtung. Können war auf die Praxis bezogen, und das schloss nicht nur die wissenschaftliche Praxis ein, sondern reichte von ökonomischer Verwertbarkeit (wie etwa im Bremer Museum für Naturkunde) bis hin zu imperialen Ansprüchen des deutschen Kaiserreichs (wie im Berliner Museum für Meereskunde). Die Kunde im Museum war somit eine besondere Ausgestaltung des Allgemeinen: enzyklopädischer Sammlungs- und Anschauungsort für ein bildungshungriges Publikum und gleichzeitig ein Ort des Aufeinandertreffens der Disziplinen, was entweder zu einem beziehungslosen Nebeneinander (im Berliner Museum für Naturkunde) oder zu einer Interdisziplinarität führte, die sich aber nicht ohne Weiteres theoretisch begründen, sondern nur in der spezifischen Atmosphäre des Museums praktizieren ließ.

  • Wissensgeschichte
  • Wissenschaftsgeschichte
  • Erkenntnistheorie
  • Wissen

Meine Sprache
Deutsch

Aktuell ausgewählte Inhalte
Deutsch, Englisch, Französisch

Lynn K. Nyhart

ist Professor für Wissenschaftsgeschichte an der University of Wisconsin in Madison.

Michael Hagner (Hg.), Manfred D. Laubichler (Hg.): Der Hochsitz des Wissens

Der Begriff des Allgemeinen steht gemeinhin für den Gegensatz zum Besonderen, zum Einzelnen oder auch zum Teil(-weisen). Zum Allgemeinen vorzustoßen bedeutet, einen größeren Horizont abzustecken, der die Voraussetzung für weitergehende Erkenntnis bildet, aber auch gewisse Risiken mit sich bringt. In den Wissenschaften wird das Allgemeine erst im 19. Jahrhundert zu einer zentralen epistemischen Ordnungskategorie.

In dem Band geht es um die Wiedereingliederung von konzeptuellen und theoretischen Aspekten in die Wissenschaftsgeschichte nach dem »practical turn«. Das Allgemeine wird als praktisch relevanter Grundwert der Wissenschaften verstanden, mittels dessen Wissen generiert, strukturiert, verändert bzw. überhaupt erst verfügbar gemacht wird. Die Beiträge zeigen, wie das Allgemeine etwa in Biologie, Medizin, theoretischer Physik, Kultur- und Kunstgeschichte sowie der Philosophie zur Geltung gebracht wird. Wollte man diese scheinbare Vielfalt auf einen Nenner bringen, so könnte man vielleicht sagen: Zweifellos steckt der Teufel im Detail, doch zumindest das Versprechen auf höhere Erkenntnis steckt im Allgemeinen.