Nutzerkonto

Laurenz Lütteken: Der handelnde Musiker
Der handelnde Musiker
(S. 155 – 171)

Laurenz Lütteken

Der handelnde Musiker
Kompositorische Selbstfreflexion bei Guillaume Dufay

PDF, 17 Seiten

Inkl. Abbildungsverzeichnis

Die spätestens seit den 1960er Jahren festzustellende Destabilisierung des Begriffs vom Text und damit dem des Werks gilt Laurenz Lütteken als Ausgangspunkt seiner Untersuchung, in deren Mittelpunkt jedoch nicht die mögliche Offenheit der vermeintlichen Werke steht. Vielmehr ist diese Vielzahl unterschiedlicher Deutungen gerahmt durch die Grenzen eines gewissen Spektrums, die Grenzen des Gemachten – so unscharf sie sein mögen. Als zentrale Persönlichkeit innerhalb des Spannungsfeldes von Text und Werk, Schriftlichkeit und Autorschaft gilt Guillaume Dufay (1400-1474), dem als erster Komponist ein vielgestaltiges, veritables Oeuvre zuzurechnen ist. Und innerhalb dieses Werks, innerhalb dieses Spannungsverhältnisses gelingt es ihm, die Möglichkeiten der Komposition im Schaffen selbst zu erkunden. Er führt das Komponieren vor, und erkundet so die Grenzen des eigenen Spektrums in gleichzeitiger Verpflichtung gegenüber der Autorität des Textes/Werkes.

  • Aristoteles
  • Mimesis
  • Kulturelle Praxis
  • Kreativität
  • Theorie
  • Produktion
  • Intertextualität
  • Poiesis
  • Arbeit

Meine Sprache
Deutsch

Aktuell ausgewählte Inhalte
Deutsch, Englisch, Französisch

Laurenz Lütteken

ist seit 2001 Ordinarius für Musikwissenschaft an der Universität Zürich. Nach dem Studium der Musikwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte wurde er 1991 mit einer Arbeit über Guillaume Dufay an der Universität Münster promoviert, wo er sich 1995 auch habilitiert hat. Anschließend lehrte er in Heidelberg, Erlangen und Marburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Musik des Spätmittelalters bzw. der ›Renaissance‹ und des 18. Jahrhunderts sowie musikalische Gattungs- und Ideengeschichte.

David Nelting (Hg.), Jörn Steigerwald (Hg.), ...: Poiesis

Die Beiträge des vorliegenden Bandes diskutieren den heuristischen Wert des Begriffs der »Poiesis« für die Künste der Vormoderne. Sie gehen von der Beobachtung aus, dass in der Frühen Neuzeit mit dem Systematisch-Werden der Reflexionen über das künstlerische Schaffen die Kunsttheorien mit normativem Charakter dazu tendieren, die faktische Seite des Produzierens zu marginalisieren. Entsprechend fehlt es auch an Forschungen, welche die konkrete Seite des künstlerischen Arbeitens in den Blick nehmen und damit die »theoriegeleitete Praxis« künstlerischen Herstellens thematisieren. An diesem Punkt setzen die Beiträge an, die eben dieser in der künstlerischen Praxis mitgeführten Reflexion des Schaffens gelten. Dieser Band stellt nicht die elaborierten Theorien künstlerischer Kreativität in den Mittelpunkt, sondern die Reflexionen und Modellierungen des Arbeitens, Schöpfens und Produzierens im konkreten Werk selbst.

Inhalt