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Serhat Karakayali: »Soziophagie«
»Soziophagie«
(S. 97 – 114)

Skizzen zur Figur der Vereinnahmung

Serhat Karakayali

»Soziophagie«
Skizzen zur Figur der Vereinnahmung

PDF, 18 Seiten

Eine besonders interessante Leerlauf-Konstellation beschreibt Serhat Karakayali in seinem Aufsatz über »Soziophagie«. Da es in der modernen Welt keine »systemlosen« Zustände gibt, bleibt es eine offene Frage, wie die revolutionären, oppositionellen und kulturrevolutionären Bewegungen innerhalb eines Systems »laufen«, oder wie der soziale Verarbeitungsmodus von Abweichung und Widerstand zu verstehen ist. Darüber wird in den Sozialwissenschaften lebhaft gestritten. Dies Frage ließe sich gemäß einer Grundunterscheidung so zuspitzen: Haben Gesellschaften ein Außen, aus dem heraus Systemgegner oder Kritiker operieren können, oder sind alle oppositionellen Kräfte einem sozialen Innen zurechnen, das sich immer schon, um den eigenen Selbstlauf zu sichern, durch Feinde, Gegner, Oppositionen irritieren lässt, die sie dann in solchen Prozessen aufreibt, die als Dialektik, Autopoiesis oder Vereinnahmung beschrieben werden?

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Serhat Karakayali

ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er promovierte 2006 mit einer Arbeit zur Genealogie illegaler Migration in der Geschichte der Bundesrepublik und ist Mitarbeiter in zahlreichen Forschungsprojekten, u.a. am Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, am Institut für Soziologie der Universität Jena, dem Centre Marc Bloch Berlin sowie am Institut für europäische Ethnologie und Kulturanthropologie Frankfurt am Main. Er ist darüber hinaus Projektleiter von »amira – Antisemitismus im Kontext von Migration und Rassismus« und Co-Kurator des Forschungs- und Ausstellungsprojekts »In der Wüste der Moderne« (Akademie der bildenden Künste Wien und Universität Delft).

Stefan Rieger (Hg.), Manfred Schneider (Hg.): Selbstläufer / Leerläufer

Das 20. Jahrhundert steht im Zeichen der Regelung und ihrer Versprechen. Ob im Realen der Technik oder im Imaginären der Kultur, sie lässt kaum einen Bereich der Lebenswelt unberührt. Doch neben einfachen Formen geglückter Betriebsamkeit und neben reibungslosen Abläufen gibt es Fälle, die aus der Regelungsnormalität ausscheren – dann etwa, wenn sich Dinge ohne energetischen Aufwand verselbständigen oder ohne Bezug auf eine Referenz leerlaufen. Selbstläufer und Leerläufer sind somit nicht selten spektakuläre Einbrüche in der Ökonomie der Regelung. Gerade Selbstläufer und Leerläufer können den Status der kybernetischen Vernunft veranschaulichen. Das große Versprechen, das seit dem 20. Jahrhundert auf dem Regelungsparadigma wie eine Hypothek lastet, scheint immer weniger einlösbar. Die aktuellen Krisen bei Individuen und Banken, bei Autobauern und ganzen Volkswirtschaften machen deutlich, wie prekär es um die vermeintliche Synonymie von Vernunft und Regelung steht.