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Wissenschaft

In 62 Episoden bis zum Tod
In 62 Episoden bis zum Tod

Gertrud Koch

Breaking Bad

Albuquerque, New Mexico, eine Stadt in der Wüste und Zentrum des zweitärmsten Bundesstaates der USA bewirbt ihre Schönheiten mit dem Slogan »It’s a trip.« Viele treten ihn an, weil die Stadt unter ihren rund 500.000 Einwohnern fiktionalen Zuwachs bekommen hat: Die Figuren einer Fernsehserie des sogenannten Quality TV, Breaking Bad. Die von Vince Gilligan entwickelte Serie ist diesem Slogan gefolgt: Der Trip ist einer, der aus den kleinbürgerlichen, angloamerikanischen Bezirken der Wüstenstadt mit ihren säuberlich aufgereihten Häusern samt Swimming­pool, Barbecue...
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Aktuelle Texte

Marcus Quent

Vom Verrinnen der Zeit in der absoluten Gegenwart

Wenn der »Glaube an die Welt« fehlt, wenn man die Welt verloren hat oder ihrer beraubt wurde, so ist alles, was in einem solchen Zustand des Unglaubens übrigbleibt, das Verrinnen der Zeit. Das Verrinnen der Zeit, das heute mehr und mehr zu sich selbst zu kommen scheint, sich seiner Vollendung zuneigt, ist ein Prozess, der von den Einzelnen als undurchsichtiges und widersprüchliches Geschehen erfahren wird, der aber als solches unbegreifliches Geschehen zugleich die Gestalt eines unumstößlichen Faktums annimmt. Dass Zeit nur verrinnen kann, dass es sie nur als verrinnende, als Maß ihres eigenen Verrinnens gibt, wird allgemein akzeptiert und vorausgesetzt. Diese allseits vorherrschende Überzeugung, die sich selbst als reines Faktum präsentiert, gründet jedoch in einem Vergessen und einem Verrat. Vergessen und verraten sind, mit Deleuze gesprochen, die in der Welt hervorgerufenen »Ereignisse« und die in die Welt gebrachten »Zeit-Räume«. Sie zeugen von der Möglichkeit und Wirklichkeit eines anderen Zeit-Maßes. Vergessen...

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Aktuelle Texte

Dieter Mersch

Digital Disrupture

Theorien des Digitalen beziehen ihre Konjunktur aus einer zweideutigen Lage. Zum einen besitzen sie ihre Herkunft in den Visionen und Utopien der gegenkulturellen Aufklärung der 1970er Jahre, aus denen nicht nur der Personal-Computer, sondern auch die Medienwissenschaften und Medientheorien hervorgegangen sind, die den digital disrupture theoretisiert und unter Reflexion gestellt haben und nach deren Diagnose wir vor einer ebenso nachhaltigen Zäsur stehen wie die frühe Neuzeit mit der Erfindung des Buchdrucks. Alle Zeichen und Inhalte bisheriger Kulturen stehen damit auf dem Prüfstand, werden transformiert und von einer Entwicklung überholt, deren weitere Dynamik kaum absehbar ist. Die mit der Digitalisierung verbundene technologische Wende, so die allgemeine Analyse, werde alle Lebensverhältnisse dermaßen verändern und von Grund auf durchschütteln, dass mit Marshall McLuhan und dessen zusammen mit Quentin Fiore verfassten Buch, dessen Titel ironischerweise nicht lautet: The Medium is the Message, sondern The Medium is the Massage, von einer gründlichen ›Massage‹ des gegenwärtigen...

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Sergei Eisenstein: The Anthropology of Rhythm

19.09.2017 – 19.01.2018

Nomas Foundation
Viale Somalia 33
01199 Rom
Italien

Sturm auf den Winterpalast
Forensik eines Bildes

24.11.2017 – 08.04.2018

HMKV im Dortmunder U
Leonie-Reygers-Terrasse
44137 Dortmund
Deutschland

 

Themen
  • Farbe und Bedeutung

    Farbe und Bedeutung

    Who is afraid of Red, Yellow, Blue…?

    • Farbenlehre
    • Semiotik / Semiologie
    • Bildlichkeit
    • Monochrom
    • Farbe
  • minima oeconomica

    minima oeconomica

    Analysen und Kritik moderner Ökonomie, deren Wissenschaft und Legitmation im Zeitalter der Finanzialisierung

    • Diskursgeschichte
    • Finanzkrise
    • Finanzmärkte
    • Wirtschaft
    • Ökonomie
    • Ökonomisierung
  • Observing the Spectator

    Observing the Spectator

    • Spiegel
    • Betrachter
    • Optische Täuschung
    • Blick
Aktuelle Texte

Andreas Gelhard

Psychotechnik unter Bologna-Bedingungen

Als David McClelland 1973 forderte, nicht mehr Intelligenz, sondern Kompetenzen zu testen, ging es ihm vor allem darum, berufliche Eignungsprüfungen passgenauer und gerechter zu gestalten. Anders als die zu dieser Zeit in den USA weit verbreiteten Intelligenztests, die in unterschiedlichsten Berufsfeldern dieselben Testformate verwendeten, um eine nicht weiter spezifizierbare Befähigung-zu-allem zu prüfen, sollten die neuen Formate eine ganz auf die Anforderungen einzelner Berufe zugeschnittene Auswahl ermöglichen, die zudem die diskriminierenden Seiteneffekte der Lehre von der angeborenen Intelligenz vermied. Neben seiner psychologischen Sachkenntnis brachte McClelland dabei auch seine Expertise als Unternehmensberater ein und forderte seine Kollegen auf, den Schreibtisch zu verlassen, um sich ein genaues Bild von den spezifischen Anforderungen einzelner Berufsfelder zu machen (↑ Schlüsselqualifikationen).

Das Konzept der Kompetenz markiert so einen entscheidenden Wendepunkt in der Erfolgsgeschichte psychologischer Testformate, die um 1900 mit der aufkommenden Psychotechnik und ihrem ersten bahnbrechenden Konzept, dem Intelligenzquotienten, begann.

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  • Bildung
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  • Arbeitswelt
  • Bologna-Prozess
  • Governance

 

Jede Nummer eine Art Meta-Collage
Jede Nummer eine Art Meta-Collage

Stefan Zweifel

Georges Bataille. Geschichten des Auges

Abgehackte Rinderfüße vor Schlachthöfen, gewaltige Blutstriemen am Boden, hingepinselt nicht von Francis Bacon, sondern von anonymen Metzgergesellen, dann große Zehen von Menschen, die unsere verdrängte Unbeholfenheit und Hässlichkeit zeigen sollten, oder ersterbende Fliegen, die als dunkle Wolke des Todes auf Klebepapier wimmeln, zwischen all diesen fotografischen Ekelerregungskunststücken tauchte in der siebten Nummer der Zeitschrift »Documents« 1929 auch die Fotografie einer seltsam geformten Manuskriptrolle auf: die »120 Tage von Sodom«, jene schauerlichste Abrechnung mit dem Projekt der Aufklärung, die der Marquis...
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Aktuelle Texte

Kyrylo Tkachenko

Auflösung der Universität im wirtschaftlichen Feld

Es ist vor allem die symbolische Gewalt der Zahlen, durch welche dem wissenschaftlichen Feld eine Nachahmung des privatwirtschaftlichen Wettbewerbs aufgezwungen wird. Ihr Ziel kann diese mit bürokratischen Mitteln betriebene Nachahmung nur in einem zweiten Schritt erreichen und zwar wiederum primär unter der Verwendung von rein bürokratischen Mitteln. Diejenigen, die im Wettbewerb der Zahlen besser abschneiden, werden auch besser entlohnt. Eine »natürliche« Verwandlung von Evalutionsergebnissen (↑ Evaluation) in bares Geld gibt es nicht. Um den Sinn des verlangten Wettbewerbs unmissverständlich klar zu machen, schreibt man dabei dem erfolgreichen Vermarkten einen evaluationsstarken Wert zu. »Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe« – so wird heute die Natur der wissenschaftlichen Zusammenarbeit durch die Machthaber deklariert. Wer mehr »Drittmittel« einzuwerben imstande ist, gilt als besonders leistungs- und wettbewerbsfähig und wird belohnt. Die Macht des Staates, ein neuer Verwaltungsapparat, der unter seiner Ägide um das wissenschaftliche Feld errichtet wurde, sowie der bis...

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